Zwei Geschäftspartner sprechen seit Wochen nur noch per E-Mail miteinander. Ein Paar diskutiert zum zehnten Mal, wer die Kinder am Wochenende hat. Zwei Teamleiter blockieren sich gegenseitig, und das ganze Team spürt es. Alle Beteiligten wissen: So geht es nicht weiter. Aber jedes neue Gespräch endet am selben Punkt.
Genau hier setzt Mediation an. Sie ist kein Schiedsspruch und keine Therapie, sondern ein strukturiertes Gespräch mit einer neutralen dritten Person. Dieser Beitrag erklärt, was Mediation bedeutet, wie sie in fünf Phasen abläuft, für welche Konflikte sie sich eignet und wo ihre Grenzen liegen.
Das Wichtigste in Kürze
- Mediation ist ein freiwilliges, vertrauliches Verfahren, in dem die Konfliktparteien mit Unterstützung eines allparteilichen Mediators selbst eine Lösung erarbeiten.
- Der Mediator entscheidet nichts. Er leitet das Gespräch, sorgt für Fairness und hilft, die Interessen hinter den Positionen sichtbar zu machen.
- Der Ablauf folgt meist fünf Phasen: Auftrag klären, Themen sammeln, Interessen verstehen, Lösungen entwickeln, Vereinbarung treffen.
- Geeignet ist Mediation vor allem dann, wenn die Beteiligten auch nach dem Konflikt miteinander zu tun haben – im Team, im Unternehmen oder als Eltern.
- In Österreich regelt das Zivilrechts-Mediations-Gesetz (ZivMediatG) die Mediation in zivilrechtlichen Angelegenheiten.
Mediation: Bedeutung und Definition
Das Wort Mediation kommt vom lateinischen mediare, „vermitteln“. Gemeint ist ein außergerichtliches Verfahren, in dem eine neutrale Person die Konfliktparteien dabei unterstützt, wieder miteinander ins Gespräch zu kommen und eine gemeinsame Lösung zu finden.
Das österreichische Zivilrechts-Mediations-Gesetz beschreibt Mediation als eine auf Freiwilligkeit beruhende Tätigkeit, bei der ein fachlich ausgebildeter, neutraler Vermittler die Parteien mit anerkannten Methoden systematisch bei der Kommunikation unterstützt. Das Ziel: eine von den Parteien selbst verantwortete Lösung ihres Konflikts.
Der entscheidende Unterschied zum Gericht liegt in diesem letzten Punkt. Vor Gericht entscheidet ein Dritter, wer recht hat. In der Mediation entscheiden die Beteiligten selbst, womit sie leben können.
Die Grundprinzipien der Mediation
Damit Mediation funktioniert, gelten einige Grundsätze, die alle Beteiligten zu Beginn vereinbaren:
- Freiwilligkeit: Niemand kann zur Mediation gezwungen werden. Jede Seite kann sie jederzeit beenden.
- Allparteilichkeit: Der Mediator steht nicht auf einer Seite, sondern auf der Seite aller. Er sorgt dafür, dass alle gleichermaßen gehört werden.
- Vertraulichkeit: Was in der Mediation besprochen wird, bleibt im Raum. Mediatorinnen und Mediatoren sind zur Verschwiegenheit verpflichtet.
- Eigenverantwortung: Die Lösung kommt von den Parteien, nicht vom Mediator.
- Informiertheit: Alle Beteiligten sollen die für eine Entscheidung nötigen Informationen haben, etwa zu rechtlichen oder finanziellen Fragen.
Ablauf einer Mediation: die fünf Phasen
Jede Mediation ist individuell. Die meisten Verfahren folgen aber einer Struktur aus fünf Phasen. Sie gibt Sicherheit, gerade wenn die Emotionen hoch sind.
Phase 1: Auftrag und Rahmen klären
Im ersten Gespräch lernen sich alle kennen. Der Mediator erklärt, wie Mediation funktioniert, welche Regeln gelten und welche Rolle er hat. Am Ende steht eine Mediationsvereinbarung: Wer nimmt teil, wie oft trifft man sich, wie wird mit Vertraulichkeit und Kosten umgegangen?
Phase 2: Themen sammeln
Jede Seite schildert, worum es aus ihrer Sicht geht. Der Mediator fasst zusammen und macht sichtbar, welche Themen auf dem Tisch liegen. Gemeinsam wird festgelegt, in welcher Reihenfolge sie besprochen werden.
Phase 3: Interessen und Bedürfnisse verstehen
Das ist das Herzstück jeder Mediation. Hinter fast jeder Position („Ich will das Haus behalten“, „Er muss sich entschuldigen“) steht ein Interesse: Sicherheit, Anerkennung, Fairness, Planbarkeit. Erst wenn diese Interessen ausgesprochen und verstanden sind, entsteht Raum für neue Lösungen. Das Harvard-Konzept beschreibt dieses Prinzip als „Interessen statt Positionen“.
Phase 4: Lösungen entwickeln
Jetzt werden Optionen gesammelt – zunächst ohne Bewertung. Danach prüfen die Beteiligten: Was ist fair? Was ist umsetzbar? Was erfüllt die Interessen beider Seiten möglichst gut?
Phase 5: Vereinbarung treffen
Die Ergebnisse werden schriftlich festgehalten. Bei rechtlich relevanten Themen, etwa Unterhalt oder Vermögensaufteilung bei einer Scheidung, empfiehlt es sich, die Vereinbarung vor der Unterschrift von einer Anwältin oder einem Anwalt prüfen zu lassen.
Für welche Konflikte eignet sich Mediation?
Mediation eignet sich besonders dann, wenn die Beteiligten auch in Zukunft miteinander zu tun haben. Typische Anwendungsfelder in Österreich sind:
- Konflikte am Arbeitsplatz und im Team: Spannungen zwischen Kolleginnen und Kollegen, Konflikte mit Führungskräften, Reibung nach Umstrukturierungen. Mehr dazu in meinem Beitrag zu Konflikten im Team.
- Wirtschaftsmediation: Streit zwischen Gesellschaftern, Geschäftspartnern oder in Familienunternehmen, etwa bei Nachfolgefragen.
- Trennung und Scheidung: Regelungen zu Kindern, Wohnung und Vermögen. Ausführlich dazu: Mediation bei Trennung und Scheidung.
- Familie und Erbe: Konflikte zwischen Geschwistern, Generationen oder bei der Pflege von Angehörigen.
- Nachbarschaft und Miete: Lärm, Grundstücksgrenzen, Hausgemeinschaften.
Wann Mediation nicht geeignet ist
Mediation ist kein Allheilmittel. Sie stößt an Grenzen, wenn eine Seite nicht freiwillig teilnimmt, wenn Gewalt im Spiel ist oder ein starkes Machtgefälle besteht, das sich im Gespräch nicht ausgleichen lässt. Auch wenn eine Partei eine grundsätzliche Rechtsfrage geklärt haben möchte, ist ein Gericht der richtige Ort. In solchen Fällen ist es Teil meiner Verantwortung als Mediator, das offen anzusprechen.
Mediation, Coaching, Beratung: der Unterschied
Im Coaching arbeite ich mit einer Person oder einem Team an deren Zielen. In der Paarberatung geht es um die Beziehung selbst. In der Mediation bin ich neutral zwischen zwei oder mehreren Parteien, die einen konkreten Konflikt lösen wollen. Eine Mediation kann auch Teil eines größeren Prozesses sein, etwa wenn ein Team nach einer Klärung mit Coaching weiterarbeitet.
Wie lange dauert eine Mediation und was kostet sie?
Viele Mediationen umfassen zwei bis sechs Sitzungen zu je 90 bis 120 Minuten. Die Kosten richten sich nach dem Zeitaufwand, nicht nach dem Streitwert. Was eine Mediation konkret kostet, wovon das abhängt und welche Förderungen es in Österreich gibt, lesen Sie in meinem Beitrag Was kostet Mediation?
Fragen zur Selbstreflexion
- Worum geht es mir in diesem Konflikt wirklich – um die Sache oder um etwas dahinter?
- Was würde ich verlieren, wenn der Konflikt so bleibt, wie er ist?
- Wie soll mein Verhältnis zur anderen Seite in einem Jahr aussehen?
- Bin ich bereit, der anderen Seite zuzuhören, auch wenn ich ihre Sicht nicht teile?
Häufige Fragen
Ist eine Mediation rechtlich verbindlich?
Die Abschlussvereinbarung ist ein schriftliches Ergebnis Ihrer Einigung. Damit sie rechtlich durchsetzbar ist, muss sie je nach Thema zusätzlich in eine passende Form gebracht werden, zum Beispiel als gerichtlicher Vergleich oder Notariatsakt. Lassen Sie sich dazu rechtlich beraten.
Muss die andere Seite zustimmen?
Ja. Mediation ist freiwillig. Sie können aber zunächst allein ein Vorgespräch führen und überlegen, wie Sie die andere Seite einladen.
Kann ich meine Anwältin mitbringen?
Das ist möglich, wenn alle Beteiligten einverstanden sind. Häufiger ist, dass Anwältinnen und Anwälte die Mediation begleitend beraten.
Findet Mediation auch auf Englisch statt?
Ja. Ich mediiere auf Deutsch und Englisch, zum Beispiel für internationale Teams oder binationale Paare in Wien.
Gemeinsam klären
Wenn Sie in einem Konflikt feststecken und eine faire Lösung suchen, begleite ich Sie gerne. Alle Informationen zu meinem Angebot finden Sie auf der Seite Mediation in Wien. Oder schreiben Sie mir direkt über das Kontaktformular.
Quellen
- Zivilrechts-Mediations-Gesetz (ZivMediatG), Gesetzestext
- oesterreich.gv.at: Mediation
- Fisher, R., Ury, W. & Patton, B.: Das Harvard-Konzept. Campus Verlag.



