Wie Coaching helfen kann – und wann es das richtige Mittel ist

Zwei Menschen gehen auf einem Weg in die Natur, symbolisieren Klarheit, Perspektive und Entscheidung.

Jobwechsel, Trennung, Dauerstress: Wenn man im Leben feststeckt, kann Coaching hilfreich sein. Die Sozialpsychologin Christina Mühlberger von der Universität Salzburg erklärt im Interview mit den Salzburger Nachrichten, was Coaching ist, wann es wirkt – und wo seine Grenzen liegen.


Coaching ist ein Begriff, der einem überall begegnet. Im Internet, in Stellenanzeigen, auf Social Media. Jeder scheint heute einen Coach zu haben oder selbst einer zu sein. Doch was steckt wirklich dahinter? Was leistet Coaching – und was nicht? Und wie findet man in einem unregulierten Markt den richtigen Coach?

Die Salzburger Nachrichten haben genau diese Fragen mit Christina Mühlberger besprochen, die an der Universität Salzburg zum Thema Coaching forscht. Ihre Antworten sind klar, differenziert – und für alle hilfreich, die gerade überlegen, ob Coaching für sie das Richtige sein könnte.


Was versteht man unter Coaching?

Der Begriff begegnet einem in vielen Bereichen des Lebens – und das ist kein Zufall, denn Coaching ist grundsätzlich kein geschützter Begriff. Das heißt: Jede und jeder darf sich Coach nennen. Rechtlich gibt es keine Einschränkungen.

Im Sinne eines professionellen Beratungsformats bedeutet Coaching jedoch eine Interaktion zwischen Coach und Coachee, in der gemeinsam Ziele festgelegt werden. Diese Ziele werden dann in einem längeren Prozess bearbeitet, wobei der Coach die Klientin oder den Klienten dabei unterstützt, die Ziele zu erreichen, sich dabei selbst zu entwickeln und zu wachsen.

Ein zentraler Punkt, den Mühlberger betont: Im Coaching geht es sehr stark um diese definierten Ziele – und entscheidend ist, dass das Ziel vom Klienten oder der Klientin selbst ausgehen muss. Nicht der Coach gibt vor, wohin die Reise geht. Das ist eine der wesentlichsten Grundlagen des Formats.

Coaching kann in jedem möglichen Bereich eingesetzt werden – im beruflichen Kontext, aber auch im privaten. Zum Beispiel für Stressreduktion, Karrierewege oder Lebensübergänge wie Jobwechsel, Trennung oder Pensionierung.


Was ist der Unterschied zur Psychotherapie?

Diese Frage stellt sich fast jeder, der zum ersten Mal ernsthaft über Coaching nachdenkt. Und sie ist berechtigt, denn es gibt durchaus Überschneidungen: Beide Formate arbeiten mit Veränderung, beide setzen auf eine vertrauensvolle Beziehung, und in beiden geht es letztlich darum, besser durchs Leben zu kommen.

Der entscheidende Unterschied liegt jedoch in der Zielgruppe. Eine Therapie richtet sich an eine klinische Population – also an Menschen, bei denen Themen bearbeitet werden müssen, die in den klinischen, in den pathologischen Bereich gehen. Beim Coaching hingegen ist die Zielgruppe nicht die klinische Population.

Ein professioneller Coach muss das klar kommunizieren können und auch bereit sein, weiterzuverweisen, wenn jemand Unterstützung braucht, die über das hinausgeht, was Coaching leisten kann. Sofern ein Coach jedoch selbst eine entsprechende therapeutische Ausbildung mitbringt, kann er durchaus auch andere Methoden einsetzen – das ist dann aber ein wesentlicher Unterschied.


Wie findet man den richtigen Coach?

Da Coaching kein geschützter Begriff ist und das Internet voller Angebote steckt, ist Orientierung oft schwierig. Mühlberger empfiehlt, sich zunächst darüber klar zu werden, was das eigene Thema ist. Dann kann man sich an Menschen aus dem Umfeld orientieren, die vielleicht schon gute Erfahrungen mit Coaching gemacht haben.

Darüber hinaus lohnt sich ein genauerer Blick: Gibt es eine Internetseite? Welche Ausbildung hat der Coach? Welche Themen werden bearbeitet – und kann er oder sie meine Themen auch wirklich bearbeiten?

Bei der Ausbildung gilt: Grundsätzlich sollte man darauf achten, dass diese wissenschaftlich fundiert ist. Es gibt beispielsweise einen Lehrgang an der Universität Salzburg. Viele Institute bieten Ausbildungen an und arbeiten dabei sehr oft mit Wissenschafterinnen und Wissenschaftern zusammen. Auch bei Berufsverbänden kann man nachschauen, welche Ausbildungen angeboten werden – und nicht nur nach Coaches suchen, sondern auch nach Ausbildungsinstituten.


Wirkt Coaching überhaupt? Und wie?

An der Universität Salzburg wird genau das erforscht. Mühlberger und ihr Team führen viele Coachings durch – auch weil die Ausbildung für Masterstudierende angeboten wird. Daneben gibt es Coachings für Nichtstudierende, zuletzt zum Beispiel zum Thema Stress.

Die Forschung zeigt: Coaching wirkt – wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Besonders wirksam sind dabei sogenannte Selbstführungs-Coachings, also Formate, die gezielt die eigene Handlungsfähigkeit und innere Steuerung stärken. Diese werden im Normalfall als besonders hochwertig und damit auch entsprechend teuer eingestuft.

Derzeit sucht die Universität Salzburg noch Teilnehmerinnen und Teilnehmer für eine neue Studie. Interessierte erhalten fünf kostenlose Selbstführungs-Coachings – Formate, die im regulären Markt bis zu 2.500 Euro kosten können. Teilnehmen kann grundsätzlich jeder und jede. Wichtig ist, schon ein konkretes Thema mitzubringen, an dem man aktiv arbeiten will – beruflich oder persönlich. Vor dem Coaching ist ein Fragebogen auszufüllen, auch nach einigen der Sitzungen (dafür gibt es eine Aufwandsentschädigung von 25 Euro). Bei Interesse: selbstfuehrungscoaching.sbg@gmail.com


Die Nachfrage nach Coaching boomt – aus gutem Grund

Coaching boomt nach wie vor, und das hat laut Mühlberger einen klaren Grund: Die Menschen haben alle möglichen Anliegen, die Nachfrage steigt – vor allem in einer Welt, in der viele Veränderungen passieren und die Belastung und Bedrohung von außen immer mehr zunehmen.

Das erlebe ich in meiner täglichen Arbeit als Coach in Wien genauso. Die Themen, mit denen Menschen zu mir kommen, sind selten trivial: Es geht um echte Weggabelungen, um anhaltende innere Unruhe, um das Gefühl, nicht mehr zu wissen, wohin die eigene Reise gehen soll. Und genau dort kann Coaching – wenn es professionell gemacht wird – eine kraftvolle Unterstützung sein.


Mein persönlicher Zugang als Coach

Als zertifizierter Lebens- und Sozialberater, Mediator und Coach in Wien begegne ich täglich Menschen, die genau an dieser Frage stehen: Brauche ich Coaching? Therapie? Oder reicht vielleicht ein gutes Gespräch?

Was mich an diesem Interview in den Salzburger Nachrichten besonders anspricht, ist die Klarheit darüber, was Coaching kann – und was nicht. Diese Ehrlichkeit fehlt im Markt oft. Zu viele Angebote versprechen Wunderdinge, ohne auch nur ansatzweise transparent zu machen, welche Ausbildung dahintersteckt oder ob das eigene Anliegen überhaupt in den Bereich Coaching fällt.

Für mich gilt: Ein gutes Erstgespräch beginnt damit, ehrlich zu klären, ob Coaching das richtige Format ist. Manchmal ist die Antwort: Ja, unbedingt. Manchmal ist es: Eher eine Therapie. Und manchmal ist es: Beides. Diese Klarheit schulde ich meinen Klientinnen und Klienten.

Wenn du neugierig bist, ob Coaching für dein Thema das Richtige wäre, freue ich mich auf ein erstes Gespräch.


Quelle: Eva Hammerer, „Wie Coaching helfen kann“, Salzburger Nachrichten, 5. Juni 2026 – zum Artikel