Der Mangel an Präsenz – sind wir unseren Gedanken ausgeliefert?
Präsenz, heißt das Zauberwort für viele die sich gerne in Gedanken verlieren, über morgen oder übermorgen nachdenken, nie zur Ruhe kommen, weil ihnen Dinge durch den Kopf schwirren die sie gehört oder erlebt haben. Der Tag oder gar die vergangene Woche fliegt einem in Fetzen und Sätzen durch den Kopf. Man ist mit etwas beschäftigt, was einen nicht loszulassen scheint. Kannst du mit dieser Beschreibung gewisse Anteile bei dir wiederfinden?
Das kann eine Zeit lang ganz gut sein, auf Dauer wünscht sich mancher aber eine Pause vom ständigen Kreuzfeuer der Gedanken.
Es ist das „Ich“, will man in Kategorien Sigmund Freuds benennen, dass ständig den Vergleich zur Vergangenheit oder zur Zukunft, bzw. zu Anderen sucht. Man ist quasi davon beherrscht. Die Einflussnahme scheint für den Ungeübten beinahe unmöglich und man ist dem ständigen Vergleichen anscheinend ausgeliefert.
Die Gute Nachricht – Präsenz kann man üben
Dabei handelt es sich um ein Phänomen das in vielen Religionen erfasst wurde und vor allem im Buddhismus gut beschrieben wurde. Letzterer hat auch eine umfassende Lehre zu dem Thema bzw. zur Beherrschung der Stimmen im Kopf entwickelt und zur Kunst erhoben, die Meditation. Im Buddhismus findet man viele Anleitungen zur stabilisierenden Meditation, die einem dabei helfen sollen den unruhigen Geist zur Ruhe zu bringen indem die Wahrnehmung gezielt auf etwas gerichtet wird.
Eines steht aber fest: Präsenz, also das Bewusstsein (den eigenen Fokus) absichtlich auf etwas zu lenken und dort zu halten, ist Übungssache. Kleine aber stetige Übungen genügen um das Bewusstsein zu stabilisieren. Beispielsweise kann man sich für einige Atemzüge alleine auf die Wahrnehmung der Haut fokussieren, man kann aber auch das eigene Ein- und Ausatmen beobachten. Wiederholt man dies mehrmals täglich merkt man rasch wie es einem immer leichter fällt und man auch ausgedehntere Spannen von Zeit damit verbringen kann. Je häufiger man dies übt, desto schneller stellt sich der Zustand der Präsenz ein und desto leichter fällt es einem diesen zu halten.
Hier gibt es eine Gute Übung dazu: der Bodyscan
Was passiert im Gehirn, wenn wir nicht präsent sind?
Unser Gehirn besitzt ein sogenanntes Standardmodus-Netzwerk. Dieses Netzwerk ist aktiv, wenn wir nicht fokussiert sind. Deshalb wandern unsere Gedanken so oft in die Vergangenheit. Außerdem springen wir gedanklich in die Zukunft. Das passiert völlig automatisch und unbewusst.
Grübeln ist keine Schwäche. Denn es ist eine biologisch verankerte Funktion des Gehirns. Unser Verstand sucht ständig nach Mustern und Lösungen. Jedoch kostet dieses Grübeln enorm viel Energie. Zudem verhindert es, den gegenwärtigen Moment wirklich zu erleben.
Die gute Nachricht ist klar und wissenschaftlich belegt. Präsenz lässt sich trainieren. Dennoch braucht dieses Training Geduld und Regelmäßigkeit. Obwohl es einfach klingt, fällt es vielen Menschen anfangs schwer. Allerdings zeigen Studien messbare Veränderungen im Gehirn durch gezieltes Üben.
Präsenz im Alltag entwickeln – 4 konkrete Übungen
Präsenz ist keine Fähigkeit, die man hat oder nicht hat. Deshalb gibt es einfache Übungen für den Alltag. Außerdem lassen sie sich leicht in den Tag integrieren. Im Methoden im Coaching werden solche Techniken gezielt eingesetzt.
- Atemübung: Atme bewusst vier Sekunden ein. Halte kurz an und atme langsam aus. Denn der Atem verankert uns sofort im Jetzt. Drei Wiederholungen reichen bereits aus.
- Body-Scan: Richte deine Aufmerksamkeit nacheinander auf jeden Körperbereich. Beginne bei den Füßen und arbeite dich hoch. Zudem hilft diese Übung, Anspannung frühzeitig zu erkennen. Allerdings braucht sie etwas Übung am Anfang.
- Sinneswahrnehmung: Benenne bewusst fünf Dinge, die du siehst. Dann vier Geräusche, drei Empfindungen und zwei Gerüche. Obwohl es simpel wirkt, ist die Wirkung überraschend stark. Deshalb wird diese Technik auch in der Traumatherapie genutzt.
- Journaling: Schreibe täglich fünf Minuten über deine innere Wahrnehmung. Trotzdem geht es nicht um perfekte Sätze oder Struktur. Denn das Schreiben schafft Abstand zu kreisenden Gedanken. Außerdem stärkt es die Selbstwahrnehmung langfristig.
Im Coaching werden diese Übungen individuell angepasst. Daher entstehen nachhaltige Veränderungen, keine kurzfristigen Effekte. Präsenz wird so zur gelebten Praxis – nicht nur zur Technik. Weil echter Wandel von innen kommt, begleitet Coaching diesen Prozess gezielt.